Spitze Tipis und breit ausladende Armeezelte bestimmten am Wochenende das Bild rund um das idyllisch gelegene Reinheimer Schützenhaus in der Schaubach. Eine Wiese war frei gehalten worden für die „Blech-Tipis“, wie die Wohnwagen bei den Hobbyisten genannt werden. Zum 18. Mal hatte der Schützenverein 1954 Reinheim zum Westerntreffen eingeladen – und viele kamen zu dieser mittlerweile in ganz Deutschland bekannten Veranstaltung.
Für viele hat das Reinheimer Westerntreffen einen festen Platz im Kalender, einige nehmen weite Anfahrtswege in Kauf. „Wir konnten auch diesmal wieder Freunde aus dem oberbayerischen Traunreuth begrüßen, und Westernfreunde aus Erlangen waren jetzt schon zum zehnten Mal bei uns“, sagt Winfried Emich vom Vorstand des Schützenvereins, der schon von Anfang an die Organisation der Treffen verantwortet.
Schon am Freitag waren die meisten angereist, liefen Indianer, Cowboys, Süd- und Nordstaaten-Soldaten in friedlicher Eintracht durcheinander. Alles wartete auf die offizielle Eröffnung, den Startschuss. Und der wurde dann um 18 Uhr abgefeuert – aus 21 Kanonen und Standböllern. Pulverrauch stieg auf, und der Donner rollte laut von der Anhöhe übers Gersprenztal. Danach wurde gegrillt, und dafür hatten sich die Reinheimer eine besondere Überraschung ausgedacht: Es gab Pferdesteaks. „Butterzart und würzig. Alle waren schnell verzehrt“, so Emich. Western-Atmosphäre konnte man so wirklich mit allen Sinnen genießen.
Hochbetrieb herrschte, begünstigt durch das sommerliche Wetter, am Samstagabend, als der Schützenverein zum Country-Abend mit Live-Musik eingeladen hatte. „Da fanden auch viele Reinheimer den doch etwas weiten Weg in die Schaubach, um mit uns zu feiern“, freute sich Winfried Emich.
Noch sieben Mal kamen die Kanonen, fast ausschließlich originalgetreue Nachbauten alter Bürgerkriegs-Modelle, an diesem Wochenende zum Einsatz, bevor man sich Sonntagabend verabschiedete. Dann standen auch die Sieger des Schießwettkampfes mit Vorderladerwaffen fest.
Dazu waren Schützen aus nah und fern gekommen, die mit ihren originalgetreuen Nachbauten historischer Waffen gegeneinander antraten. Geschossen wurde mit Vorderladern und Unterhebel-Gewehren, zu gewinnen gab es Sachpreise.
Nicht nur bei derartigen Wettbewerben mischen Reinheimer Schützen vorne mit. Jörg Klock zum Beispiel wurde bei den Vorderlader-Schützen Europameister mit der Mannschaft, holte sich Silber im Einzelwettbewerb. Die Mannschaft des Reinheimer Vereins schießt mit der Perkussionspistole in der höchsten hessischen Klasse, ist dort unangefochten Tabellenerster. Mit dem Perkussionsgewehr schießen die Reinheimer in der hessischen Oberliga Süd, und auch mit den Luftdruck-Waffen sind sie in den Wettbewerben gut dabei.